Die Geschichte unseres Schellenbaumes




Der reich verzierte Schellenbaum stammt ürsprünglich von der türkischen Janitscharenmusik ab und gehört seit etwa 1800 zum Inventar der deutschen Militärkapellen. Seine türkische Herkunft erkennt man heute noch am Halbmond, an dem prunkvolle, schwarz-rot-goldene Rosshaarschweife angebracht sind, die einstmal das Zeichen der Würde der Paschas waren.

Schellenbaum des Gebirgsmusikkorps Garmisch-Partenkirchen


Schellenbaum des Marinemusikkorps Nordsee / Wilhelmshaven


Die am Schellenbaum angebrachten Glöckchen erinnern daran, dass der Schellenbaum ursprünglich in der Janitscharenmusik als Lärminstrument gedient hat. Der Lärm sollte den Gegner demoralisieren. Die heute übliche Form zeigt am oberen Ende den preußischen Adler (in Bayern ist der Schellenbaum 1826 abgeschafft worden), der im Schnabel das Wappen der Bundesrepublik Deutschland bzw. des dazu gehörigen Musikzuges hält. Darunter befindet sich der Gardestern und der nach oben gebogene Halbmond. An diesem sind Sterne und kleine klingende Glöckchen angebracht. An den beiden Enden des Halbmondes befinden sich Adlerköpfe, in denen lange Rosshaarschweife in den Farben schwarz-rot-gold, befestigt sind. Den Abschluss unseres Schellenbaumes bildet eine Glocke, die am untern Ende wiederum kleine klingende Glöckchen und Sterne trägt.

Der Gardestern unseres Schellenbaumes


Der Schellenbaum des Spielmannszuges der Freiwilligen Feuerwehr Beckum wurde im Jahre 1954 auf Initiative des damaligen Kupferschmiedes und Paukenschlägers des Musikzuges der Beckumer Feuerwehr, Willi Plöger, erbaut. Mit dem Bau des Schmuckstücks waren mehrere Gesellen und Lehrlinge der ehemaligen Maschinenfabrik Gebr. Becker auf der Oststraße (heute Osttorparkplatz) fast ein halbes Jahr beschäftigt. In mühevoller Klein- und Handarbeit wurde der komplett aus Kupfer und Messing bestehende und heute weltweit einzigartige Schellenbaum gefertigt. Ein aktiver Mitarbeiter war unter anderem der spätere Stadtbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Beckum, Helmut Haverkemper, der übrigens auch als Trommler 24 Jahre Mitglied im Spielmannszug war.

Der Schellenbaum im defektem Zustand


Nachdem der Schellenbaum etwa zehn Jahre bei vielen Auftritten des Musikzuges mitgeführt wurde, ging er Mitte der 60er Jahre in den Besitz des Spielmannszuges über, da sich bei der Blaskapelle über mehrere Jahre ein personeller Engpass einstellte und die Nutzung des Schellenbaumes dadurch in den Hintergrund rückte. 20 Jahre wurde er bei repräsentativen Auftritten wie zum Beispiel Zapfenstreiche und Festumzüge vom Spielmannszug mitgeführt. Sein vorerst letztes Erscheinen in der Öffentlichkeit war beim ersten Kreiskonzert der musiktreibenden Züge des Kreises Warendorf in der Stadthalle Ahlen im Jahre 1987.

Unser Schellenbaum im Jahre 1976


Leider musste auch der Spielmannszug in diesen Jahren den personellen Notstand am eigenen Leib erfahren. Der Schellenbaum wurde nicht mehr genutzt und fand auch keine Beachtung mehr. Dies war ein großer Fehler, den man später zutiefst bereute, denn das wertvolle Schmuckstück wurde viele Jahre auf dem sehr unaufgeräumten Dachboden der alten Fahrzeughalle der Beckumer Feuer-und Rettungswache zwischengelagert. Leider gingen dadurch viele Glöckchen und Sterne verloren. Einige dieser Glöckchen fielen sogar dem einen oder anderen "Plünderer" in die Hände. Ebenfalls der große Adler, der mit Sicherheit auch Beute eines "Langfingers" wurde und heute, so vermutet man, den Thekenbereich eines Beckumer Partykellers schmückt. Leider konnte bis heute dies bezüglich nichts bewiesen werden.

Viele Jahre vergingen, in denen man sich Gedanken machte, wie es mit dem Schellenbaum weiter gehen sollte. Mehrere Anläufe, ihn zu sanieren, verliefen leider erfolglos im Sande, und man spielte schon mit dem Gedanken, ihn zu verschrotten. Im Jahre 2004 nahm dann aber nach langen Überlegungen und dem Drängen der Spielmannszugskameraden Sebastian Fuest, Ralf Wiedau und dem späteren Träger, Udo Vehrenkemper, der Stellvertretende Zugführer des Spielmannszuges, Markus Erlenkötter, die Herausforderung der Restaurierung an. Innerhalb von 7 Monaten konnte er die erforderliche Spendensumme von ca. 2.300,-- Euro zusammen tragen und direkt mit dem Projekt beginnen. Es dauerte inklusive der Spendenaktion etwa 10 Monate, bis der Schellenbaum dank der großen Hilfe der Kameraden Sebastian Fuest, Ralf Wiedau und dessen Frau Monika Wiedau wieder in seinem alten Glanz erstrahlte. Am 09.April 2005 wurde er im Brauhaus Stiefel-Jürgens in Beckum das erste Mal nach 18 Jahren wieder der Öffentlichkeit präsentiert und wird von da an wieder bei allen festlichen und repräsentativen Auftritten des Spielmannszuges zur Schau gestellt.


Der Schellenbaum mit Träger


Präsentation unseres Schellenbaumes




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